|
|
Wahre Geschichten ? |
| Mein Leben in Bildern 2 |
| Vor meiner Geburt war es aufregend: Meine Mutter badete mit mir heiß, sprang mit mir aus schwindelnden Höhen und schlug mit mir Rad. Es war immer etwas los. Aber festhalten musste ich mich. -Ach, Mutter war schon eine.- Ich kam dann aber doch erst an einem Rosenmontag zur Welt.
Hier die liebevoll-umfangreichen Eintragungen in meine Wiegekarte |
| Was alle gleich nach meiner
Geburt erkannten: Ich war sehr schlau. Deshalb erhielt ich das außergewöhnliche Privileg, vollkommen getrennt von meiner Mutter für 12 Wochen in einem Gitterbett, das in einem großen Saal neben unzähligen weiteren Bettchen und Genies darin stand, Einsamkeit und ohnmächtige Verzweiflung studieren zu dürfen. Vielen Dank übrigens dafür. Man bedankt sich ja zu selten. |
| Im Alter von 5 Wochen machte
ich einen tollen Ausflug. Man hob mich außerhalb des üblichen Zeitplans aus meinem Studierzimmer, zog mir ein viel zu langes Kleid an, umringte mich und goss mir irgend etwas auf den Kopf. Im Gesamtzusammenhang betrachtet schätze ich, muss das die letzte Ölung gewesen sein, die wohl Studierende vorsichtshalber erhielten.
Danach ging's zügig zurück, Kleid aus, Windel für mehrere Semester an, weiterstudieren. Die ersten Monate sind ja schließlich die wichtigsten. Da darf man nicht trödeln. |
| Alle halfen mir beim Studium Mit 6 Wochen wollte ich in einem Anfall von Selbstsucht mein Studium schmeißen. Als wäre dies nicht schon undiszipliniert und undankbar genug, trug ich mein Anliegen auch noch unangemessen aggressiv vor. Das warmherzige Personal war jedoch so gütig und drückte beide Augen und Ohren zu. Und nach der Operation des Leistenbruchs, den ich mir geschrien hatte, nahmen sie mich, ohne auch nur das geringste Aufsehen, um meine Unvernunft zu machen, sofort wieder in ihrem Studienbetrieb auf. Wow, so viel Unterstützung vergisst man nicht ! |
| Meine Eltern waren offenbar
ausgefuchste PädagogInnen Als ich dann nämlich in der 13. Woche nach Hause kam, sorgten sie dafür, dass ich nicht durch plötzliche Aufmerksamkeit verschreckt und meine Studienerfolge nicht gefährdet wurden. Fotos gibt es in den ersten zwei Jahren deshalb nur von meinen Schwestern. |
| Ab 2 musste ich aber ein normales
Leben leben. |
2, mit meinem OnkelObwohl ich beim Essen viel zu selten meinen Mund getroffen hatte, wurde ich noch akzeptiert, wie ich dann eben war. |
Sie wussten es vielleicht nicht:
2Liegt ein Fahrrad in einer schrägen Position auf sandigem Untergrund und man betätigt seine Kurbel, dann kann man ganz doll Sand schleudern. Dumm ist, wenn man dabei erwischt wird und man nicht genau weiß, ob das vielleicht verboten sein könnte. Man muss dann schnell die Hände wegziehen und so tun, als hätte man nichts gemacht und nur davor gesessen. |
| Nun gut, die Kurbel war es
nicht, man wirft mir vielmehr vor, ich hätte Schokolade gegessen und mich schmutzig gemacht. Was soll ich dazu sagen ? Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne, ihr Banausen ! |
Manchmal hatte ich echt Lust
abzuhauen.
3, sonntags ohne Eltern |
| Aber dann dachte ich wieder
an unsere Untermieterin. Sie war warmherzig, feminin und umgeben von einer tollen Aura. Und in ihrem Bett hatte Schlafen einen wohltätigen Zauber.
2,5(Lutschfinger auf Bettdecke gerutscht) |
| Mit 2,5 entwickelte ich Sinn
für Zweckmäßigkeit und Würde. Ich heulte mit aller Verzweiflung, die ich noch aufbieten konnte, wenn ich keine Hose anziehen durfte.
2,5Manchmal mit Erfolg ! |
Und hier hatte ich mich schon
prinzipiell durchgesetzt.
3Nur sonntags war noch (Ver-)Kleidertag. Und Karneval sogar mit Lippenstift. |
| Eine Tante sagte mal: "Du wärst auch lieber ein Junge geworden, was ?!" Zum Glück war das keine Frage auf die man antworten musste, ich hätte nämlich dazu nichts zu sagen gewusst. Wie kam sie darauf ? Was bedeutete das ? Und wieso hatte ich das Gefühl, dass aus diesem kumpelhaft lächelnd großen Gesicht doch gar nichts freundliches kam ? Ich ließ mich jedenfalls nicht beirren.
7 |
| Und arbeitete später sogar
als Kindermodel: |
Nach Einsetzen der Pubertät
13wurde es immer schwieriger, die alten Rollen zu besetzen. Das gleiche galt übrigens für neue Rollen. |
Schließlich wurde ich
aber zur Miss Felsen gekürt.
18 |
| Ach nein, stimmt gar nicht, |
ich arbeitete im Schichtdienst
als Loreley.
Hier mit Kolleginnen, die gerade Pause machen. |
| Leider zerschellte nicht ein
einziges Schiff. |
Weshalb ich in's Wasser ging.
Natürlich stilgerecht ! |
| Ich wurde jedoch gerettet und
dann doch noch 20 und 22 und 25 Jahre alt.
Ach ja, mein lesbisches Coming-Out hatte ich zwischenzeitlich. Aber das sieht man ja wohl. |
| Wie so oft war diese Ausstrahlung
aber nur vorübergehend. |
Ab 27 nahm die Coolness ab.
Ich konnte jetzt selber Liebe geben.
27
28
31
32 |
| Ein letzter reiner Blick : |
| Dann zeigt sich Anstrengung,
Ätze und Schmerz aushalten in meinem Gesicht. Darüber ein Lächeln oder ein Lachen legen, ist eine ziemlich verknautschte Angelegenheit
35und gelingt auch häufig nicht. |
Aber nette Anlässe bringen
auch hier akzeptable Resultate
35
36
37
38 |
| Alles mischt sich oder legt sich übereinander. Nichts
geht restlos weg wegen dem was kommt. |
|
Selbstporträt 41 |
|
| nach oben |
|
| Copyright © Ute Ziemes 2002-2005 |